Liederabend in der Kreuzkirche Herrensohr
78. Abendmusik in der Kreuzkirche Herrensohr
Freitag, 6. März 2026, 19 Uhr
weiterlesen
„Unbedacht verstorben!“, „Ordnungsbehördliche Bestattung!“ Behördendeutsch halt – doch was ist damit gemeint? In einer Stadt wie Saarbrücken mit ihren rund 180.000 Einwohnern sterben monatlich etwa 200 Bürger. In den vergangenen zwei Jahren hochgerechnet rund 4.800 Menschen. Den überwiegenden Teil betrauern beziehungsweise verabschieden Angehörige, Kollegen, Freunde, Nachbarn. Nicht so in 26 anderen Fällen, die in den Jahren 2024/25 ortspolizeilich, ohne Angehörige oder Bekannten auf dem Saarbrücker Hauptfriedhof bestattet wurden. Für diesen Personenkreis war der Tod womöglich der Endpunkt einer Abwärtsspirale zwischen Isolation, Einsamkeit, Anonymität und Exklusion. Für diese sogenannten „unbedacht Verstorbenen“ haben die Landeshauptstadt Saarbrücken, die Ökumenische Wärmestube, der Bestatterverband Saarland e.V., der Pastorale Raum Saarbrücken, der Evangelische Kirchenkreis an der Saar sowie die städtische Musikschule am Donnerstag, 26. Februar, eine Gedenkfeier auf dem Hauptfriedhof ausgerichtet. „Mit unserem Erinnern schenken wir ihnen einen Ort, ein Licht und einen Moment des Mitgefühls“, steht auf einer Tafel geschrieben. 26 Namen stehen daneben auf kleinen Schildern. Beim Verlesen der einzelnen Namen wurde für jeden eine Kerze entzündet.
„Mit der heutigen Veranstaltung wollen wir uns würdevoll an die Saarbrückerinnen und Saarbrücker erinnern, die in den beiden vergangenen Jahren unbedacht verstorben sind. Gleichzeitig möchten wir damit ein Zeichen für sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt setzen“, sagte Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt. Er appellierte an die Bürger, sich selbst zu sensibilisieren für den Blick nach rechts und links auf Menschen, die sichtlich zurückgezogen, um nicht zu sagen einsam, leben und leider auch alleine sterben. In Saarbrücken lebten mehr als die Hälfte aller Einwohner, statistisch gesehen 58 Prozent, allein. Conradt: „Das ist Alltag in einer modernen Gesellschaft, in der Autonomie eine große Rolle spielt und Familien häufig räumlich getrennt leben.“ Hinter dieser hohen Zahl an Ein-Personen-Haushalten verberge sich oft eine ungewollte Vereinzelung: „Familiäre Bande lockern sich, ältere wie auch jüngere Menschen verlieren den Anschluss an ihr soziales Umfeld. Betroffen sind unter anderem Menschen in Armut, mit Suchterkrankungen, psychischen Erkrankungen oder Obdachlose“, so Conradt. Ein Trend, den Hermann Schell, Geschäftsführer der Saarbrücker Wärmestube, bestätigte: „Wir erleben in der Wärmestube viele Menschen, die den Anschluss an ihre Familie, ihren Beruf, ihren Freundeskreis verloren haben und unter Selbstzweifeln und Ängsten leiden. Ihnen kann durch anteilnehmende Ansprache geholfen werden.“
In dieser Lage bot Christian Weyer vom Evangelischen Kirchenkreis An der Saar einen geistlichen Impuls durch ein Gebet an: „Gott kennt die Einsamen, die sonst keiner kennt. Mit offenen Armen steht er auf der Grenze von Leben und Tod und heißt sie alle willkommen.“ Diakon Gerd Fehrenbach vom katholischen Pastoralen Raum Saarbrücken ergänzte mit dem Psalm 139 aus dem Alten Testament, in dem es heißt: „Nähme ich die Flügel der Morgenröte und ließe mich nieder am Ende des Meeres, auch dort würde deine Hand mich leiten und deine Rechte mich fassen.“
Fazit: Eine würdevolle Veranstaltung, stimmig in Farben gesetzt durch die Strahlen der Vorfrühlingssonne nach langer Regenzeit, ansprechend untermalt durch klassische Beiträge der Musikschule Saarbrücken und beschlossen durch die gemeinsame Kranzniederlegung der drei Dutzend Teilnehmer am Grabmal für alle Verstorbenen dieser Welt.