22. Mai 2022

Familie feiert Trauung, Taufe und Kircheneintritt an einem Tag


Eine Taufe des eigenen Kindes oder die kirchliche Trauung zu feiern, ist jeweils für sich bereits ein schönes Ereignis. Familie Maurer aus St. Wendel hat beides an einem Tag zelebriert – und der Ehemann zugleich noch einen Konfessionswechsel vollzogen.

Das frisch getraute Paar ist sich einig: „Das war der perfekte Tag für uns.“ Alles sei so gewesen, wie sie es sich vorgestellt hätten. „Der Vorbereitungsstress war schnell vergessen und das Wetter hat mitgespielt“, berichtet Nina Maurer im Anschluss an das Fest im Dorfgemeinschaftshaus. Gefeiert wurde mit Familie und Freunden, Daniel Maurers Vater ist zur Freude aller extra aus Amerika angereist.

„So richtig verheiratet habe ich mich noch nicht gefühlt“

Ein Paar sind Nina und Daniel Maurer bereits seit 16 Jahren. „Wir sind unsere Jugendliebe“, bringt es die 30-Jährige auf den Punkt und ihr Mann ergänzt mit einem Lachen: „Das hat sich also lange gehalten.“ Und weil aus „lange“ ein positives „lebenslang“ werden soll, sind die beiden ihre Verbindung 2020 mit der standesamtlichen Trauung auch vor dem Gesetz eingegangen. Gefehlt hat dem Paar dennoch etwas: „So richtig verheiratet habe ich mich seitdem noch nicht gefühlt. Da gehört für mich die kirchliche Trauung dazu, das Standesamt ist das Bürokratische“, betont Nina Maurer. Zusammen mit ihrem Mann wollte sie sich deshalb auf jeden Fall noch den kirchlichen Segen für die Ehe abholen. Nach zwei coronabedingten Verschiebungen war es kürzlich endlich so weit: Das Brautpaar trat in der evangelischen Stadtkirche in St. Wendel mit Pfarrerin Christine Unrath vor den Traualtar. Das war aber nicht der einzige Grund zum Feiern, den die Familie an diesem Tag hatte. Denn auch eine Taufe stand auf dem Programm.

Taufe viel mehr als ein symbolischer Akt

„Weil zwischenzeitlich im vergangenen Jahr unsere Tochter Ella geboren ist, haben wir uns dazu entschieden, Taufe und Trauung in einer Zeremonie zu feiern“, erzählt Nina Maurer. Einerseits steckten dahinter ganz sachliche, organisatorische Gründe. Andererseits ist die Taufe für die Maurers nicht einfach nur ein symbolischer Akt. Denn dem Ehepaar ist es wichtig, dass Ella Paten an ihrer Seite hat. „Dann wissen wir: Wenn uns etwas passiert, ist jemand für sie da“, erklärt Daniel Maurer. „Außerdem spielt der Glaube für uns beide schon immer eine wichtige Rolle. Wir wurden beide christlich erzogen. Die christlichen Werte wie Höflichkeit, Respekt und Hilfsbereitschaft möchten wir unserer Tochter mit auf den Weg geben“, schildert der 33-Jährige. Toll sei, dass Kirche diese Werte in Kinder- und Jugendgruppen auch spielerisch vermittle.

Von klein auf mittendrin im Gemeindeleben

Eben diese Angebote haben auch Nina und Daniel Maurer als Kinder und Jugendliche wahrgenommen. „Wir haben den Kindergottesdienst besucht, später den Konfirmationsunterricht und dann auch die verschiedenen Jugendgruppen“, berichtet die 30-Jährige. Während Nina Maurer von klein auf Teil der evangelischen Kirchengemeinde in ihrem Heimatstadtteil Leitersweiler war, nutzte Daniel Maurer die Angebote der evangelischen Kirchengemeinde im rheinland-pfälzischen Niederbrombach .

Trauung bringt Stein vollends ins Rollen

Entsprechend fühlt sich Daniel Maurer schon immer sehr mit der evangelischen Kirche verbunden – obwohl er katholisch getauft wurde. Das führte schließlich dazu, dass die Familie noch ein drittes Ereignis an einem Tag feierte: Daniel Maurers Eintritt in die evangelische Kirche. „Ich habe schon lange darüber nachgedacht, zur evangelischen Kirche zu wechseln“, berichtet er. Die Trauung habe letztlich den Stein des Wechsels vollends ins Rollen gebracht, „damit wir komplett evangelisch heiraten können“. Sein Wechsel habe verschiedene Gründe. Zum einen finde er es nicht in Ordnung, dass Pfarrer zwar Menschen trauen, aber selbst nicht heiraten dürfen. „Und den Umgang mit dem Kindesmissbrauch konnte ich nicht mehr dulden, da wurde mir zu viel unter den Tisch gekehrt.“ Abgesehen davon empfinde er die evangelische Kirche als „lockerer“. „Der Gottesdienstablauf ist nicht so ritualisiert und moderner, das gefällt mir.“

Austritt kam für Daniel Maurer nie infrage

Ein Austritt aus der Kirche kam für Daniel Maurer laut eigenen Worten zu keinem Zeitpunkt infrage. „Ich wollte auf jeden Fall in der Kirche bleiben.“ Denn sein Glaube, das Gemeindeleben und die Gemeinschaft seien wichtige Säulen für sein Leben. „Mir gefällt das Miteinander, die verschiedenen Angebote für Jung und Alt. Das macht für mich Kirche aus.“ Dem stimmt seine Frau zu. „In unserem Stadtteil wirkt die Gemeinde ohnehin stark in die Gesellschaft hinein und die Angebote von Krabbelgruppe über Jugendfreizeiten bis hin zum Kaffeetrinken in der Kirche werden auch genutzt“, berichtet sie. Und sie schätze den Zusammenhalt in der Gemeinde, dass jeder auf jeden zählen könne, man sich gegenseitig unterstütze. „Die Kirche hier ist ein Ort, an dem man sich hilft, wenn etwas gebraucht wird.“

Andreas Attinger / EKiR





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