Veranstaltung „Spirituelle Räume“
Tag der unterschiedlichen Zugänge zur Spiritualität weiterlesen
An Pfingsten, dem „Geburtstag der Kirche“, haben evangelische, katholische und freikirchliche Gemeinden im Saarland die 13. Nacht der Kirchen gefeiert. Rund 7.000 Menschen haben sich auf den Weg in 43 saarländische Kirchen gemacht. Die Gotteshäuser wurden so zu Orten der Begegnung, des Gesprächs, der Stille, des Feierns, der Kunst und der Kultur.
Eine Bar in der Kirche? Das gibt es jetzt in der Kirche St. Agatha in Kleinblittersdorf. Hier wurde kurzerhand ein Beichtstuhl mit Kühlschrank und Regalbrettern ausgestattet, der Bereich neben der Kanzel mit Sitzgruppen zur Wohlfühl-Oase inmitten der Kirche umgestaltet. Herausgekommen ist die „Assisi-Bar“, benannt nach dem Schutzpatron der Kleinblittersdorfer Pfarrei, die anlässlich des „Franz von Assisi-Gedenkjahres“ bei dieser Nacht der Kirchen offiziell in Dienst genommen wurde. Zum Einstieg gibt es Currywurst. „Das wurde schon länger angemerkt, dass es bei uns im Ort nirgendwo eine Wurstbude gibt. Also haben wir gesagt: Dann gibt es halt die Currywurst in der Kirche“, erzählte Oliver Hilt vom Pfarrei-Team. Zum Einstieg führten Kinder und Jugendliche der Jungen Bühne Auersmacher ein Anspiel zu Franz von Assisi auf. Die jungen Akteure zwischen 9 und 16 Jahren banden auch die Menschen in den vorderen Bankreihen in die Performance ein.
Internationale Begegnungen und Quizfragen
Was verbirgt sich hinter den Begriffen Lunula, Palla, Aspergill oder Lavabo-Tuch? Dennis Diwo und Martin Schumacher versuchten in der Sakristei des Saardoms in Dillingen, die Schilder den richtigen Gegenständen zuzuordnen. Die Aufgabe ist Teil der sogenannten „Churchlympics – Kirchengames für alle Generationen“, die sich die Katholische Jugend Dillingen in Anlehnung an die bevorstehenden Special Olympics ausgedacht hat. An 13 Stationen konnten sich die Besucherinnen und Besucher an Rätseln, Schätzfragen und Geschicklichkeitsspielen messen. Gemeindereferentin Susanne Zengerly half den beiden Freunden, die letzten Begriffe zuzuordnen. „Man kann ja nicht alles wissen“, kommentierte Dennis Diwo gut gelaunt. Im Kirchenschiff geht es beim „Kahoot!“-Spiel um Wissen und Schnelligkeit. Mit ihren Smartphones haben sich die Spielerinnen und Spieler eingeloggt und müssen nun so schnell wie möglich Fragen wie „Wie heißt der Sonntag vor Ostern?“ beantworten. Wer es besinnlicher mochte, versuchte sich am Puzzle, Kirchenmemory oder testete sein Wissen über die Weltreligionen.
In der Neuapostolischen Kirche in Saarbrücken steht die Ukraine im Mittelpunkt der Nacht der Kirchen. Vertreter der UkraineFreundeSaar e.V. zeigten einen Kurzfilm, der die Flucht zweier Familien von der Ukraine nach Deutschland porträtiert. Eine der im Film vorgestellten Familien erzählte von dem Erlebten und beantwortete Fragen in einer kurzen Gesprächsrunde. Die „Blumen der Ukraine“, eine Gesangsgruppe aus sieben jungen Frauen, umrahmte diesen Teil des Abends musikalisch mit ukrainischen Liedern und viel Einfühlungsvermögen.
In der Völklinger Versöhnungskirche stellte Christfluencerin und Journalistin Kira Geiss ihr neues Buch „Du bist kostbar und wunderschön“ vor. Mit dem Buch, das sich an junge Frauen richtet, will sie Mut machen, sich selbst anzunehmen. „Ich habe selbst viele Jahre mit meinem Körper gekämpft und weiß, wie mächtig die eigenen negativen Gedanken sein können", bekannte Geiss offen und erzählte von ihrer inzwischen überwundenen Essstörung. „Ich muss mich nicht jeden Tag schön finden. Das wäre ja auch anstrengend. Man muss nicht perfekt sein, aber ich kann mir dennoch mit Würde begegnen.“ In ihrem Buch verknüpft sie persönliche Lebensereignisse mit Stellen aus der Bibel, die Mut machen. „Ich glaube an Gott, der keine Fehler macht, auch nicht bei dir“, lautet ihr Rat an junge Frauen.
Kunst, Kabarett und gelebte Ökumene
Schwer kriminell ging es zu in der Evangelischen Kirche Güdingen, die kurzerhand in eine Krimi-Kirche umfunktioniert wurde. Pfarrer Christian Bauer, der beim Saarländischen Rundfunk auch in der Tatortwelt zu Hause ist, präsentierte zunächst mit zusammen Diakonin Melanie Diekmann zusammen biblische Fälle wie den Sündenfall im Paradies (Adam und Eva), den Brudermord (Kain und Abel), Verleumdung und falsche Beschuldigung (Susanna) sowie Machtbegehren und ein vertuschter Mord (David). Anschließend stellte Klaus Brabänder seinen inzwischen zwölften saarländischen Kriminalroman „Feuerwerk“ eher ungewöhnlich vor, denn er las das Ende vor. Eher kriminell-heiter wurde es mit „Gegen Mord ist kein Sauerkraut gewachsen“ von Marion Demm-Zech und ihrem Saarbotage-Team. Multimedial unterstützt und in den szenenpassenden Outfits wurde ihr Buch reichlich belebt mal als Gangster, mal als Polizisten verkleidet bis hin zum Auftritt als Blues Brothers.
Das Kontrastprogramm konnten Besucherinnen und Besucher in der Protestantischen Stadtkirche Homburg erleben. Hier zeigten rund 20 Obdachlose ihre Kunstwerke. „Wir wollen unsere Gäste sichtbar machen und ihnen Selbstvertrauen geben“, sagt Annette Orlinsky von der ökumenischen Wärmestube Saarbrücken. Sie hat die Schau mit dem Titel „Nomaden der Neuzeit“ entwickelt und den Abend zusammen mit Pfarrer Joachim Wörner organisiert. Aufs Foto möchten die meisten Künstler lieber nicht. Volker Herbert ist die Ausnahme. Im „Wärmestuben“-Shirt und mit Zylinder hat er keine Berührungsängste und zeigt gerne die Objekte, beispielsweise ein „Kettenbild“, das vor dem Altar ausgebreitet ist und immer noch fortgesetzt werden kann. Kunst von und mit Obdachlosen in der Kirche, noch dazu in Homburg? Durchaus ein Wagnis, wie Dekan Dr. Thomas Holtmann bestätigte. „Es ist mal etwas anderes für die Menschen, die normalerweise zu uns kommen.“ Aber der Kontrast funktioniert. Auch von auswärts sind Interessierte gekommen, um sich inspirieren zu lassen.
Lautes Lachen statt stiller Andacht gab es in der Kirche St. Marien in Schmelz-Außen. Die Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer schlüpfte in ihre Paraderolle des Ruhrpott-Originals Erna Schabiewsky, eine Frau, die weiß, wo im Himmel der Hammer hängt. Mit ihrem zweistündigen Bühnenprogramm „Nochmal auf ANFANG“ blickte sie mit Humor und spitzer Zunge auf das Leben in Kirche und Gemeinde und insbesondere die Rolle der Frau. „Gäbe es nur TV-Gottesdienste, wäre ich evangelisch. Da sieht man wenigstens mal eine Frau“, erklärte Erna ihrem Publikum. Gerade während der Corona-Pandemie habe sie sich Gottesdienste im Fernsehen angeschaut. Die schlimmsten seien die katholischen Messen aus Österreich gewesen. „Da denke ich: Mensch, dass die im 18. Jahrhundert schon Kameras hatten und das heute noch streamen!“ Klagen über fehlenden Nachwuchs in Frauenverbänden nimmt sie gelassen: „Für die kfd kann man gar nicht alt genug sein! Bei uns wurde eine Ü85-Gruppe gegründet. Wir wollen alle 100 werden – die besten Jahre liegen noch vor uns!“
In Bexbach machen es sich viele Gäste schon am Pfingstfeuer bei herzhaften Leckereien bequem. Das offizielle Programm ist bei Einbruch der Dämmerung gerade zu Ende gegangen, aber noch Einzelne sitzen an den Mitmachstationen. Hoffnungskerzen kann man hier gestalten. Das 14-köpfige Bexbacher Team lebt auch den ökumenischen Grundgedanken der Nacht der Kirchen. Das Programm wird gemeinsam vorbereitet und dann abwechselnd in der katholischen Pfarrkirche und der Protestantischen Kirche durchgeführt. In diesem Jahr begrüßen Mitglieder des protestantischen Presbyteriums am Eingang der Kirche St. Martin. Das Pfingstfeuer brennt – auch ideell. „Man muss ja etwas bieten, um die Menschen zusammenzubringen“, sagt Heiko Rauch NdK-Team. So wundert es nicht, dass der Vorplatz der Martinskirche bei angenehmen 20 Grad auch noch nach 23 Uhr gut gefüllt ist.
Die Nacht der Kirchen wird unterstützt von der Pax-Bank, Saartoto, der Regierung des Saarlandes, der Stiftung GLAUBEN.LEBEN, dem Sparkassenverband sowie Einzelspendern.
www.nacht-der-kirchen-saar.de